Bauhaus-Erbe wird "Haus der Archäologie":
Das SCHOCKEN an der Brückenstraße
Ein innovatives Konzept verspricht die Neunutzung des Schocken-Warenhauses als künftiger Sitz des Sächsischen Landesmuseums für Archäologie und Frühgeschichte. Erlebnisgeschichte – Geschichte erleben - so lässt sich vielleicht am ehesten die Idee beschreiben, die Besucher ab dem Jahr 2012 auf der 7.000 m² großen Museumsfläche auf Schritt und Tritt begleiten wird. Möglich gemacht wird dies unter anderem durch virtuell dargestellte historische Szenarien, die individuelle Einblicke in den historischen Alltag vom Germanen bis zum Ritter geben.
Doch der Gebäudekomplex mit der gerundeten Fassade und den Terrassenaufbauten hat nicht nur perspektivisch Geschichtliches zu bieten, sondern blickt auch auf eine bewegte Geschichte zurück:
1927 von Erich Mendelsohn entworfen, gehört das ehemalige Kaufhaus Schocken mit seiner zur Kreuzung Brücken- und Bahnhofstraße hin geschwungenen Bandfassade zu den bedeutendsten Bauhaus-Zeugnissen in Sachsen. Die für seine Zeit innovative, hinter die Fassadenfront zurückgezogene Stützenkonstruktion des Eisenbetonskelettbaus ermöglichte eine völlig freie Schaufensterfront in allen Geschossbereichen. Das Ergebnis waren helle, freundliche Verkaufsräume. Entsprechend positiv fiel auch die Kundenresonanz bei der Eröffnung des Hauses am 15. Mai 1930 aus. Ende 1938 zwangen die Nationalsozialisten mit ihrer anitsemitischen Politik die jüdische Familie Schocken zum Verkauf ihrer Aktiengesellschaft, zu deren Vermögen auch der Chemnitzer Mendelsohn-Bau gehörte. Hauptaktionär Salman Schocken war bereits im Winter 1933 nach Palästina geflüchtet. Seit Januar 1939 wurde der Komplex unter dem Namen „Kaufhaus Merkur“ weitergeführt. 1948 wurde das Gebäude von der Handelsorganisation (HO) übernommen und erhielt - wie auch das Tietz-Haus - den Namen CENTRUM. 1991 erfolgte die Übernahme durch die Kaufhof AG.
Nach dem Umzug des Kaufhofs Ende 2001 übernahm die GGG mit einer Projektierungs- und Verwaltungsgesellschaft das denkmalgeschützte Objekt. Mit der Umnutzung des letzten erhaltenen Bauwerks der traditionsreichen Kaufhauskette SCHOCKEN zum "Haus der Archäologie" erhält Chemnitz die Chance für ein einzigartiges Museum. Die Bauarbeiten sollen im Ende 2011 abgeschlossen sein. Die Eröffnung ist für 2012 geplant.