Vom Warenhaus zum Kulturzentrum "DAStietz"

Am 23. Oktober 2013 feierte das heutige Kulturzentrum TIETZ seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat die GGG mit freundlicher Unterstützung von Gabriele Viertel, Stephan Weingart, Dr. Jürgen Nitsche und Sabine Leppek diesen Einblick in die bewegte Geschichte des damals größten Warenhauses in Sachsen erarbeitet.

Panoramablick über die Bahnhofstraße auf das "DAStietz" (links) aus Richtung Galeria Kaufhof
Eröffnungsanzeige im Chemnitzer Tageblatt vom 23.10.1913 (c) Stadtarchiv Chemnitz
"DasTietz" heute
Der Johannisplatz mit dem bisherigen Tietz (c) Stadtarchiv Chemnitz
Luftaufnahme von 1928 (c) Heimatland Sachen GmbH
Luftaufnahme von 2013 (c) Chemnitzer Verein für Luftfahrt e. V.
Das Tietz aus Richtung Beckerplatz (c) Stadtarchiv Chemnitz
Ansicht aus Richtung Poststraße (c) Stadtarchiv Chemnitz
Der Steinerne Wald im Tietz
Blick in den Innenhof vom Warenhaus Tietz (c) Stadtarchiv Chemnitz
Das heutige Tietz bei Nacht

1913: Eröffnung des größten Warenhauses Sachsens

Kein Geringerer als Napoleon zieht mit majestätischer Geste den Vorhang auf, hinter dem der Neubau des Kaufhauses erscheint. Wohl jeder verstand die Anspielung in der ganzseitigen Zeitungsannonce, mit der das Kaufhaus „H. & C. Tietz“ seine Eröffnung am 23. Oktober 1913 bekanntgab. Hatten doch gerade die „Jahrhundertfeiern“ aus Anlass der Völkerschlacht stattgefunden, bei denen in Leipzig das Denkmal eingeweiht wurde.

Nicht ganz so monumental, aber gewaltig genug fiel das Kaufhaus aus, das Wilhelm Kreis für die H. & C. Tietz AG in der Industriestadt errichtete, damals das größte in Sachsen. Der namhafte Architekt war zuvor schon beim Wettbewerb für das Völkerschlachtdenkmal preisgekrönt worden, sein Entwurf wurde allerdings nicht ausgeführt. Ziemlich ungewohnt muss sein moderner Bau den Chemnitzern damals vorgekommen sein, in den Anzeigen stets in Weitwinkel-Perspektive präsentiert.

Schon im Jahr zuvor war ein ähnliches Projekt des Architekten für die Leonhard Tietz AG in Wuppertal-Elberfeld übergeben worden, und ein Jahr nach Chemnitz errichtete Wilhelm Kreis für diese Firma das Kaufhaus in Köln. Der Trend ging damals zu mehretagigen Warenhäusern – Anziehungspunkte für die Damenwelt – und da wollte natürlich auch die Textilstadt Chemnitz nicht zurückstehen. Aber es mehrten sich hier auch die Stimmen, die in solchen Einkaufszentren, in denen man nahezu alles bekommen konnte, eine Gefahr für die kleinen Unternehmen und Ladenbesitzer sahen.

Ein halbes Häuserkarree musste Platz machen

Ein halbes Häuserkarree hatte dem neuen „Riesenkaufhaus“ Platz machen müssen darunter das bekannte Veranstaltungszentrum des „Mosella-Saals“. Mit seinem vorherigen Sitz an der Poststraße Ecke Innere Johannisstraße hatte sich „Tietz“ noch unter ähnlichen Geschäftshäusern der Innenstadt wie „Schellenberger“, „Wertheimer“ und „Königsfeld“ eingereiht. 1904 war hier eine Zweigniederlassung des Unternehmens aus Bamberg entstanden, die ihre „Manufaktur-, Kurz-, Mode- und Galanteriewaren sowie Haus- und Küchengeräte“ auf nicht weniger als fünf Etagen ausbreitete. Und in der Aue gab es schon eine Filiale der Leonhard Tietz AG in einem Gebäude, das diesem oder jenem vielleicht noch als Sitz der Malergenossenschaft geläufig ist, später bezog sie das ansehnliche Jugendstilgebäude in der Altchemnitzer Straße 4. Somit waren in Chemnitz Vorläufer solch bekannter Warenhausketten wie „Hertie“ (Hermann Tietz) und „Galeria Kaufhof“ (Leonhard Tietz) präsent.

Eröffnung am 23. Oktober 1913

Am 23. Oktober 1913 öffnete das neue Kaufhaus „H. & C. Tietz“ zunächst um 11 Uhr für geladene Gäste, um vier Uhr nachmittags fand die eigentliche Eröffnung statt. „Der Andrang war riesig“, berichtete die Zeitung. „Auf den Straßen hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die bei der Öffnung der Portale in den Bau strömte. Auch während der weiteren Verkaufsstunden blieb der Andrang des Publikums sehr stark.“ Denn die Angebotspalette des neuen Warenhauses war einzigartig. Im Unterschied zu heute konnten sich die Herren bereits im Erdgeschoss fix und fertig einkleiden, dagegen mussten sich die Damen in den 1. Stock begeben, wo sie zahlreiche Putz- und Modellsalons und einen Hutsalon vorfanden. Eine besondere Attraktion war der Orient-Teppichsalon in der 2. Etage, hier erwartete auch ein Erfrischungsraum die Kunden. Das Angebot in der 3. Etage reichte von Haus- und Küchengeräten bis zu Lebensmitteln. Alles war mit Fahrstuhl erreichbar, bei der Ausstattung wurde an Marmor und Holzvertäfelungen und ähnlichen Materialien nicht gespart. Für die Schaufenster fand erstmals in Chemnitz eine moderne Soffiten-(Röhren-) Beleuchtung Anwendung. Man warb mit „freier Telephon-Benutzung“ für die Kunden und einer Leihbibliothek, die rund 6000 Bände zählte. Wer hätte gedacht, dass später einmal die Stadtbibliothek und weitere Einrichtungen in die hellen, freundlichen Räume einziehen würden, denen der moderne Umbau bis zum Jahr 2004 doch viel von ihrer wuchtigen Schwere genommen hat.

Text: Gabriele Viertel und Stephan Weingart

Neubau eines Verwaltungs- und Werkstättengebäudes

Mitte der 1920er Jahre stand eine Erweiterung des „Hauses der 60 Spezialabteilungen“, wie der monumentale Tietz-Neubau oft genannt wurde, auf der Tagesordnung. Sie wurde schon deswegen erforderlich, weil die Geschäftsleitung die behördliche Genehmigung erhalten hatte, das IV. Obergeschoss zu Verkaufszwecken nutzen zu können, nachfolgend wurden die dortigen Ateliers und Personalräume verlegt.

Für das Bauvorhaben konnte Kommerzienrat Gustav Gerst den angesehenen Chemnitzer Architekten Erich Basarke gewinnen. Im Dezember 1926 reichte Basarke beim Baupolizeiamt der Stadt den Antrag auf Neubau eines Verwaltungs- und Werkstättengebäudes ein. Ein Mauerdurchbruch in Höhe des ersten Obergeschosses verband beide Bauten. Im April 1927 nahm Basarke die gewünschten Veränderungen im IV. Stockwerk in Angriff. Besonders die dort acht Monate später fertiggestellte Lebensmittelhalle mit Kühlanlagen und Eismaschinen gehörte neben dem künstlerisch ausgeführten Konditoreiraum im II. Obergeschoss mit eigenem Konditoreibetrieb zu den bedeutendsten Neuerungen im Gebäude nach 1913.

Niedergang und Zerstörung im Dritten Reich

Um 1933 war das Warenhaus Tietz, das damals über 1000 Mitarbeiter hatte, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Stadt. Der hiesige NS-Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand, der den „Boykott jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und jüdischer Rechtsanwälte“ am 1. April 1933 organisierte, setzte auch das Warenhaus Tietz auf die Liste der Geschäfte, die von der Bevölkerung von nun an gemieden werden sollten.

Bereits Ende März hatte die Polizei die Räume des Warenhauses durchsucht. Am 9. November 1938 wurden von den Nationalsozialisten landesweit Pogrome angezettelt, die einen schrecklichen Höhepunkt der bisherigen Judenverfolgung bildeten. In ganz Deutschland wurden über 250 Synagogen und Betstuben verwüstet oder in Brand gesteckt, etwa 7500 jüdische Geschäfte, Wohnungen und Schulen geplündert. 91 jüdische Männer und Frauen kamen während der Pogrome zu Tode. Zu den Ermordeten gehörte mit Hermann Fürstenheim auch der langjährige Geschäftsführer des Warenhauses H. & C. Tietz.

Nach dem Tode von Hermann Fürstenheim wurde der Wirtschaftsprüfer Dr. Walter Müller, ein früherer Sozialdemokrat, der seit Februar 1936 Personalchef und stellvertretender Betriebsführer war, zum Geschäftsführer bestellt. Nach eigenen Angaben blieb er in diesem Amt, bis die Firma Ende 1938 infolge des nationalsozialistischen Boykotts geschlossen werden musste.

Am 5. Dezember 1938 wurde über das Vermögen von Kommerzienrat Gustav Gerst wegen „Zahlungsunfähigkeit“ der Konkurs eröffnet. Dr. Müller, der noch bis Sommer 1939 für die Konkursverwaltung tätig war, leitete die Abwicklung der Geschäfte vor Ort. Eine Nutzung als städtisches Verwaltungsgebäude wurde kurzzeitig in Erwägung gezogen, aber wegen zu hoher Umbaukosten wieder verworfen. Der Plan des Kinobesitzers Otto Haufe, ein Lichtspieltheater in das leerstehende Gebäude einzubauen, scheiterte ebenfalls. Stadtbaurat Fred Otto hatte stets darauf bestanden, „dass der von Prof. Wilhelm Kreis errichtete Bau aus architektonischen und städtebaulichen Gründen möglichst unverändert erhalten bleiben“ sollte.

Nutzungskonzept für die Nachkriegszeit

Durch Vermittlung des Ratsherrn Siegfried Hauschild, der zum Abwesenheitspfleger für den nach Schweden emigrierten Gustav Gerst bestellt worden war, konnte der Chemnitzer Immobilienkaufmann Henry Escher ab Juni 1940 den Erwerb des ehemaligen Warenhausareals vorantreiben. Escher beabsichtigte, das Gebäude während des Krieges für besondere Lagerzwecke zu nutzen. Gleichzeitig entwickelte er ein Nutzungskonzept für die Nachkriegszeit: Einbau eines Kinos, von Läden, Geschäftsräumen und eines Kaffeehauses. Schnell konnte Henry Escher das Haus an das Marinebekleidungsamt Wilhelmshaven vermieten und ließ deswegen den Innenraum teilweise umbauen, ohne jedoch dafür baupolizeiliche Genehmigungen zu besitzen.

Im Frühjahr 1945 wurde das Gebäude des einstigen Warenhauses während der alliierten Luftangriffe auf die Stadt durch Spreng- und Brandbomben schwer beschädigt und brannte größtenteils aus.

Text: Dr. Jürgen Nitsche

Neubeginn in Ruinen

Trümmerberäumung, Wiederherstellung der Infrastruktur und Beseitigung der Kriegsschäden waren die Hauptaufgaben, denen sich die neue Chemnitzer Stadtverwaltung nach dem „Zusammenbruch“ des Dritten Reiches stellen musste.

Bereits in den ersten Ratssitzungen wurden Möglichkeiten des Umgangs mit stark beschädigten Gebäuden erörtert. Im August 1945 legte das Steueramt ein Gutachten über das weitgehend ausgebrannte Warenhaus „Tietz“ vor. Daraufhin beschloss der Rat der Stadt „zum Zwecke der Rückführung des Grundstückes Ecke Moritz- und Poststraße ... auf den früheren Eigentümer Kommerzienrat Gustav Gerst … alle erforderlichen steuerrechtlichen Schritte zu unternehmen“. Der ehemalige Geschäftsführer Dr. Walter Müller, selbst Verfolgter des NS-Regimes, wollte im Auftrag des früheren Eigentümers das Warenhaus wieder errichten. Das Grundstück, das sich noch im Besitz eines Immobilenmaklers befand, wurde schließlich nach Befehl 124 der Sowjetischen Militäradministration vom 30. Oktober 1945 durch die Stadt beschlagnahmt und als Sondervermögen verwaltet.

Firmenbezeichnung durfte wegen Konkursverfahren nicht verwendet werden

Für eine Wiederaufnahme des Warenhausbetriebes kam anfangs nur das einstige Verwaltungsgebäude an der Moritzstraße infrage. Bereits am 5. Oktober 1945 hatte Dr. Müller das künftige Geschäft beim Gewerbeamt angemeldet. Die bekannte Firmenbezeichnung durfte aber wegen des noch anhängigen Konkursverfahrens nicht verwendet werden. Noch rechtzeitig zur umsatzstarken Vorweihnachtszeit öffnete das „Erzgebirgische Warenhaus“ (ERWA) seine Pforten. Von Anfang an wurde die damals lebenswichtige Reparaturaktion „Aus alt macht neu“ angeboten.

Dr. Müller bemühte sich trotz der schwierigen Nachkriegssituation an die Traditionen des Hauses anzuknüpfen. Am 28. Dezember 1945 veranlasste er die Registrierung des Handelsbetriebes beim Amtsgericht, wobei er den „Wiederaufbau des 1938 infolge Boykotts geschlossenen Warenhauses H. & C. Tietz“ als Ziel angab. In den Räumen des ERWA fanden auch kulturelle Veranstaltungen statt. Die Mitglieder der wiedergegründeten Jüdischen Gemeinde versammelten sich hier ebenfalls. Die Geschäftsführung organisierte beeindruckende Modenschauen. Das Haus blieb dennoch ein Provisorium und ging folgerichtig im August 1949 in Liquidation.

Der Verband Deutscher Konsumgenossenschaften nutzte die nun leer stehenden Räume als Kaufstätte. Der später vorgesehene Ausbau der Ruine zu einem Konsum-Warenhaus wurde von den staatlichen Behörden vehement abgelehnt. Bereits 1949 war das Gebäude der Verwaltung der staatlichen Handelsorganisation unterstellt worden. Jedoch gelang es der HO nicht, die nötigen Investitionsmittel für den Ausbau der Ruine zu bekommen. Anfang 1952 prüften die Behörden, ob die Kaufhausruine zum städtischen Verwaltungsgebäude, zur Zentrale des Wismuthandels oder zu einem Kulturhaus umgestaltet werden könne, was jedoch auf einhellige Ablehnung stieß.

Vom HO Warenhaus Zentrum zum CENTRUM Warenhaus

Am 23. Juli 1957 beschloss der Rat des Bezirkes die Sanierung des Warenhauses zu einem Volkseigenen Einzelhandelsbetrieb. Der Rat der Stadt legte daher am 25. Oktober 1957 fest, die Ruine in den Folgejahren als „Warenhaus am Ring“ auszubauen. Mit der Schlagzeile „Größtes Warenhaus der DDR“ kündigte die Freie Presse am 28. März 1963 die Eröffnung des Warenhauses HO Zentrum an.

Als am 1. Januar 1965 die Volkseigene Vereinigung Warenhäuser (VVW) CENTRUM mit Sitz in Leipzig gegründet wurde, ordnete man auch die ehemaligen jüdischen Warenhäuser der Stadt („Tietz“ und „Schocken“) der VVW zu. Später machten sie unter dem einprägsamen Slogan „Ein Name – zwei Häuser – ein Begriff“ auf sich aufmerksam.

An dieser Stelle muss unbedingt Siegmund Rotstein erwähnt werden. Als stellvertretender Fachdirektor Handel für Verkauf war er bis zu seiner Pensionierung 1986 an der unmittelbaren Leitung des Hauses beteiligt. Sicher war es ein Zufall, dass sich im ehemaligen „TIETZ“ durch den damaligen Gemeindevorsitzenden die jüdische Tradition des Kaufhauses auf diese Weise fortgesetzt hatte.

Text: Dr. Jürgen Nitsche

Aus Warenhaus wird Kulturkaufhaus

Nach der politischen Wende 1989/90 wurde das Kaufhaus von der Kaufhof Warenhaus AG Köln erworben und gemeinsam mit dem Schocken-Gebäude als Warenhaus weitergeführt. Kurze Zeit später entschied sich die Kaufhof AG jedoch für einen Neubau, welcher die Sortimente der beiden lokal getrennten Warenhäuser Tietz und Schocken zentralisieren sollte. Schließlich beschloss im Sommer 1999 der Chemnitzer Stadtrat, dass das Wohnungsunternehmen GGG die beiden Gebäude von der Kaufhaus AG erwerben und im Sinne der Innenstadtentwicklung und -belebung für eine neue Nutzung umbauen sollte.

Die „letzte Stunde“ als normales Warenhaus schlug dem Tietz dann mit der Eröffnung der gläsernen „Galeria Kaufhof“, direkt an der Zentralhaltestelle. Andererseits war dies auch die Chance, den neoklassizistischen Bau freizugeben für neue Ideen. In ihrer ersten Beratung im Jahr 2002 entschieden sich die Chemnitzer Stadträte für eine Umgestaltung des ehemaligen Warenhauses zum Kulturkaufhaus.

Damit gingen GGG und Stadt Chemnitz neue Wege.

Zum innovativen Profil des rund 25.000 m² großen Areals gehörte vor allem die Idee, Kunst, Bildung und Kultur in einem einzigen Objekt zu vereinen. Das Sanierungskonzept sah vor, ein offenes, transparentes Gebäude zu schaffen. Dies stellte Architekten, Statiker und Baufirmen vor eine große Herausforderung. Die funktionelle Umgestaltung bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Denkmalschutzes beschreibt die anspruchsvolle Aufgabenstellung für die GGG. Neben der Freilegung der beiden alten Lichthöfe gehörten auch die besucherfreundliche und übersichtliche Erschließung der einzelnen Bereiche des Gebäudes zu den Aspekten, die von der Bauherrin berücksichtigen waren. Nötig war ebenso die komplette Erneuerung der Haustechnik sowie der Einbau moderner Brandschutzanlagen.

Begonnen wurde zuerst mit der Überprüfung der Tragwerkskonstruktion und anschließend mit der Sanierung der Bausubstanz. Das Gebäude musste teilweise trockengelegt werden. Außerdem wurden Fenster, Türen, Fußböden, Unterdecken, Innentüren und Geländer erneuert. Dem folgten funktionelle und gestalterische Maßnahmen, wie der Bau von neuen Trennwänden, die Schaffung einer Stahl-Glas-Konstruktion mit Aufzug zur Präsentation des Hauses zur Reitbahnstraße hin. Nicht alltägliche Abrissaktionen fanden im Bereich der kleinen Lichthöfe, der Gebäudeaußenwand zur Reitbahnstraße und im Bereich des ehemaligen Treppenhauses am Giebel der Bahnhofstraße statt. Für die Schaffung des großen Lichthofes, in welchem sich heute der Versteinerte Wald befindet, musste im dritten Obergeschoss sogar eine alte Rippendecke aufgebrochen werden. Hinzu kamen der Einbau von aufwendigen Verschattungs- und Klimatisierungsanlagen. Der große und die zwei kleinen Lichthöfe erhielten wieder vollständig verglaste Dachoberlichter, um den Einfall und die Wirkung des Tageslichtes zu nutzen. Das wichtigste Arbeitsfeld der Denkmalpflege war die Restaurierung der drei originalen Sandsteinfassaden. Hierfür waren eine behutsame Steinreinigung und teilweise Neuverfugung erforderlich.

Waren zu Beginn rund 30 Ingenieure gleichzeitig tätig, wurden im Laufe der Bautätigkeit 35 Firmen im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung beauftragt. Mit den entsprechenden Nachunternehmen waren zeitgleich bis zu 80 Firmen auf der Tietz-Baustelle im Einsatz.

Letzte spektakuläre Aktion vor der Eröffnung

Im Februar 2004 begann per Kran die Demontage der abgesägten und demontierten Einzelteile des 290 Millionen Jahre alten Versteinerten Waldes von der Giebelwand des König-Albert-Museums. Diese wurden zunächst mit Sandstrahler und speziellen Lösungsmitteln einer Grundreinigung unterzogen und danach im Lichthof des Tietz wieder aufgestellt.

Am 23. Oktober 2004 konnte schließlich das Tietz feierlich eröffnet werden.

Das Erdgeschoss des neuen Kulturkaufhauses bietet seitdem verschiedenen Geschäften Platz. Das erste Obergeschoss teilen sich das Naturkundemuseum und die Neue Sächsische Galerie. Das Naturkundemuseum mit Regionalausstellung, Sterzeleanum, mineralogischer Exposition und dem Insektarium befindet sich im Gebäudeabschnitt zur Moritzstraße. Im zweiten Obergeschoss sind Verwaltungs- und Arbeitsräume des Museums ansässig. Der Ausstellungssaal der Neuen Sächsischen Galerie befindet sich an der Seite zur Bahnhofstraße. Angegliedert sind hier in Richtung Wiesenstraße auch die Künstlerdokumentation, das Künstlerschrifttum und der Holzspielzeugraum. Auch die Chemnitzer Stadtbibliothek zog ins Tietz. Ihre Räumlichkeiten befinden sich verteilt auf zwei Etagen im zweiten und dritten Obergeschoss. Die beiden Etagen werden neben den großen Treppenaufgängen auch über zwei bibliotheksinterne Treppenhäuser, in den neu geöffneten Lichthöfen, verbunden. In der vierten Etage und im Dachgeschoss hat die Volkshochschule ihren Sitz.

Text: Sabine Leppek